Henry Dunant

- Henry Dunant (1828-1910)
Henry Dunants Leben war gezeichnet von einem Wechselbad des Erfolgs und des Misserfolgs. Er war in seinen Ansichten kompromisslos und manchmal hilflos gegenüber seinen Mitmenschen. Doch seine Beharrlichkeit hat die Rotkreuzbewegung ins Leben gerufen und seine Ideen sind uns noch heute Leitbild und Vision.
Zum Zeitpunkt seiner Geburt am 8. Mai 1828 in eine streng calvinistische Familie wies nichts darauf hin, dass das Leben des reichen Bürgersohns Henry Dunant aus Genf die Welt verändern sollte.
Nach seiner Bankausbildung übernahm er die Verantwortung für eine Kolonie von Schweizern in Sétif (Algerien). Doch seine Projekte scheiterten, weil ihm wichtige Land-Konzessionen fehlten. So entschloss er sich, eine Audienz bei dem französischen Kaiser Napoleon III. zu erbitten, um die entsprechenden Dokumente zu erhalten.
Die Schlacht von Solferino
Deshalb reiste Dunant nach Norditalien und fand sich inmitten der Schlacht von Solferino wieder, in der sich am Morgen des 24. Juni 1859 über 100.000 Soldaten gegenüberstanden. Er barg – ohne Mandat und Auftrag – die Verletzten und Sterbenden, spannte Dorfbewohner in die Pflege ein und kümmert sich darum, dass letzte Worte der Toten an die Angehörigen weitergeleitet wurden.
Erinnerungen an Solferino
Zurück in der Schweiz schrieb er „Un Souvenir de Solferino“ (Eine Erinnerung an Solferino). Im November 1862 kam die erste Auflage heraus, die er an die Herrscher in Europa verschickte. Daraufhin wurde in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gegründet.
Doch 1867 war Dunant mit Schulden in Höhe von einer Millionen Schweizer Franken bankrott. Die Gesellschaft mied ihn. Ein Schlag, von dem er sich nie richtig erholen sollte.
Er trat von seinem Posten als Sekretär des IKRK zurück und ging nach Paris, war zeitweise obdachlos. Die Rotkreuz-Idee jedoch lebte.
Das "Rote Kreuz" wird anerkanntes Schutzzeichen

- Eine Armbinde mit dem Schutzzeichen des roten Kreuzes auf weißem Grund.
Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 besuchte er die verletzten Soldaten in Paris. Inzwischen war die Rotkreuz-Armbinde verbreitet. Diese Armbinde mit dem Kreuz sollte jeden Rotkreuzhelfer kennzeichnen, der aufgrund seiner Tätigkeit vor Angriff durch die Kriegsparteien geschützt sein sollte.
Dunant zog weiter nach London. Der Idee, eine allgemeine internationale Konferenz zur Linderung des Schicksals von Kriegsgefangenen durchzuführen, stand die britische Regierung jedoch feindlich gegenüber. Vom russischen Zaren hingegen erhielt er Unterstützung.
Erster Friedensnobelpreisträger
Am 1. Februar 1875 fand auf Dunants Initiative hin eine Konferenz in London zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei statt.
Es folgten wieder Jahre in Armut. Dunant lebte in Italien, im Elsass - angewiesen auf die Gastfreundschaft und die Hilfe weniger Freunde. Zehn Jahre verbrachte er im Haus des Pfarrers Wagner in Stuttgart.
Im Schweizer Dorf Heiden kam er schließlich zur Ruhe, wo ihn 1895 der Journalist Georg Baumberger aufstöberte. Sein Artikel über Dunant wurde überall in Europa nachgedruckt, woraufhin Dunant Sympathiebekundungen aus aller Welt erreichten.
1901 erhielt er den ersten Friedensnobelpreis. Eine späte Genugtuung für den Visionär.
Am 30. Oktober 1910 starb der Begründer der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung in Heiden (Schweiz).
weiterführende Informationen
- Elke Endraß, Der Wohltäter - Warum Henry Dunant das Rote Kreuz gründete, Wichern-Verlag 2010 (ISBN 978-3-88981-288-9)
- Franco Giampiccoli, Henry Dunant - Der Gründer des Roten Kreuzes, Aussaat-Verlag 2009 (ISBN 978-3-7615-5722-8)
- Dieter und Gisela Riesenberger, Rotes Kreuz und Weiße Fahne. Henry Dunant 1828-1910 - Der Mensch hinter seinem Werk, Donat 2010 (ISBN 978-3-9382-7583-2)
- Wissensplattform zu Henry Dunant
- Ausführliches Dunant-Porträt von Clemens Haustein




